Den Satz von Bruno Bettelheim "Kinder brauchen Märchen" könnte man abwandeln in "Kinder brauchen Verse, Geschichten und Märchen".
Bei den ganz Kleinen erlebt man ihre Faszination von Fingerspielen und Kniereitern. Dabei kommt es nicht so sehr auf den Inhalt des Textes als vielmehr auf seine rhythmische Gestaltung an.
Im Kindergartenalter lieben die Kinder rhythmische Geschichten, also Geschichten, in denen derselbe Sachverhalt immer wieder wiederholt und erweitert wird, z.B. Das Rübchen, oder zum Schluß in umgekehrter Reihenfolge wieder aufgelöst wird. Die Geschichten regen die Gedächtnisleistung enorm an, ohne es einseitig intellektuell zu belasten. Denn kleine Kinder lernen nicht durch logische Zusammenhänge, sondern durch Rhythmus und Klang.
In früheren Kulturen, wurden in dieser Form Legenden und Mythen erzählt und von einer Generation an die andere weitergereicht. Das Kind durchläuft in seiner Lernentwicklung die Stadien früherer Menschheitsepochen.
Wann erzählt man sinnvollerweise Märchen? Die eigentliche Zeit des Märchenerzählens umfaßt die Altersspanne von fünf bis acht Jahre. In den Märchen werden innere Entwicklungswege, geistige Wahrheiten zum seelischen Miterleben gebracht. Dazu muß das Kind eine gewisse Reife erreicht haben, um diese Inhalte aufnehmen zu können. Das Kindergartenkind ist damit oft noch überfordert.


