Mit folgenden Worten charakterisiert Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, ihr Ziel:
«Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.»
Das Wort «Anthroposophie» wörtlich übersetzt bedeutet «Weisheit vom Menschen»; das bedeutet heute: «Bewusstsein seines Menschentums».
Das Geistige kann nur auf geistigem Wege gefunden werden. Anthroposophie zeigt einen inneren Schulungsweg zu solcher Erkenntnis auf. Sie geht dabei von den inneren Erfahrungen des modernen kritischen Bewusstseins und der technisch- naturwissenschaftlich orientierten Zivilisation aus. Studium und Schulung führt zu einer konkreten Erfahrung der geistigen Dimension von Mensch und Welt.
Geistige Erkenntnisse können für die verschiedenen Lebensgebiete fruchtbar gemacht werden: Kunst, Religion und Wissenschaft, Pädagogik, Medizin, Pharmazie, Landwirtschaft, Sozialarbeit, Wirtschaft und vieles andere.
Im Laufe der Jahre sind so weltweit mehr als 10.000 Einrichtungen entstanden, die sich bemühen, anthroposophische Erkenntnisse praktisch anzuwenden: Kindergärten, Schulen (Rudolf Steiner-, Waldorf- oder Freie Schulen genannt), heilpädagogische und sozialtherapeutische Heime, Werkstätten und Schulen, Kliniken, Arztpraxen, pharmazeutische Betriebe, biologisch-dynamische Bauernhöfe, Banken, Kunstschulen, Bühnen, Gewerbe u.a.
Die Anthroposophie will das Geistige im Menschen mit dem Geistigen der Welt verbinden. Demnach ist die Welt nicht nur naturwissenschaftlich zu erklären, vielmehr wirken in der Welt- und Mensch-heits--entwicklung geistige Gesetzmäßigkeiten. Die Anthroposophie will diese Gesetzmäßigkeiten aufspüren und das Wissen darum in unser tägliches Leben integrieren. Diese Integration wird als ein künstlerischer Prozeß gestaltet; so spricht Rudolf Steiner von Erziehungskunst oder von Heilkunst. Joseph Beuys sprach später von sozialer Kunst.
In diesem Sinne ist es auch zu verstehen, daß aus der Anthroposophie heraus kulturelle Impulse in den verschiedensten Lebensbereichen entstanden sind: Eurythmie (sichtbare Sprache bzw. Musik), Sprachgestaltung, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Medizin, Pädagogik, Heilpädagogik, Soziale Dreigliederung, Religion, und Landwirtschaft.
"Wenn auch Anthroposophie zunächst ihre Wurzeln in den schon gewonnenen Einsichten in die geistige Welt hat, so sind das doch nur ihre Wurzeln. Ihre Zweige, Blätter, Blüten und Früchte wachsen hinein in alle Felder des menschlichen Lebens und Tuns."
(Rudolf Steiner in einer Mitteilung vom Januar 1924)


